Alte Objektive

Vorsicht bei Altglas!
Also, was das Glas betrifft, die Gläser, in Form von Linsen derweil, ist nicht alles Gold, was Licht brechen kann. Kurzum! Denn auch ich war geneigt, mir so manch Linse aus längst vergessener Zeit als eine gute Partie zu nehmen, wo es Geld zu sparen galt...

So also hab ich mir gebrauchte Objektive bei... ebay und Co gekauft und es nicht sofort bereut. Weil, ja weil diese alten Linsen, olle Kamellen, ja so gut im Schein sein mögen, der Geldschein ja, aber im Gebrauch, im Lichte, so einiges an schiefer Darstellung daherkommt und meist auch, an modernen Digitalkameras, gleich gar nichts abbilden konnten - die Kameraelektrik stand dagegen, solch alte Linsen hinzunehmen... Wo es doch heute viel bessere Linsen gibt.

Na klar! Bessere Linsen. Doch kosten diese einiges und viele der Fotografen könnn sich eben diese Linsen nicht leisten. Drum darum alte Herrlichkeiten, offene Objektive, die damals kaum in der Lage waren, den Kugelfehler eindeutig zu beräumen. Will sagen: Alte Linsen können ganz unmöglich die Abbildungsleistungen vollbringen, die moderne Objektive für sich in Anspruch nehmen können. Den "Kugelfehler", die Farbfehler und Brechungsfehler innerhalb des Systems Objektiv könnte man heute als wunderbare altbackene Abbildungsleistung darstellen, die Photoshop so gerne simulieren kann...

Aber was, wenn ich mit den Bildern Geld verdienen möchte? Nix da! Freilich tun alte Objektivrechnungen genau das, was heute eventuell via Photoshop zu leisten wäre: Eine "analoge" krumme Anmutung, mit einer extremen Punktschärfe, mit der sich aber auf einer Digitalkamera nicht rechnen läßt. Hochzeitsaufnahmen mit einer windelweichen Unschärfe können sehr überzeugen und ehrlich: Ich mag diese "alte" Anmutung. Generell aber sollte man beim Kauf alter Linsen Vorsicht walten lassen, weil keine Linse von denen heutige Qualitäten erreichen kann. Heute sage ich eher: Finger weg!


Geht eine alte Mamiya-Linse an eine moderne Canon?
Ein Versuch
Will mich gern schneiden, am Altglas, jenen alten Objektivkonstruktionen, die heute auf den elektronischen Märkten für meist wenig Geld zum Verkauf stehen. Neulich schlug ich mal wieder gnadenlos zu und ersteigerte mir ein Mamiya Sekor 1:2, 50mm mit ZE-Bajonett des Herstellers. Ein Fehlkauf, dachte ich, denn wie bekomme ich das Teil an eine Canon? Der Verkäufer schrieb M42-Anschluss, doch konnte er sicher nicht ein Schraubgewinde von einem Bajonett unterscheiden: Es war besagtes ZE-Bajonett, welches zwar bündig anliegt, aber ganz und gar nicht zu befestigen ist. Wie weiter? Zunächst einmal sollte ich hier erwähnen, dass diese Linse schon damals (1978?) ein Novum darstellte, mit Nikon stand Mamiya bei der "Elektrifizierung" der Objektive, also der elektronischen Blendenwertübertragung als Pionier vornean. Die anderen großen Hersteller folgten später und heute geht es gar nicht ohne.

Kurz:Ich musste mir Gedanken machen, wie ich die Linse an die Canon bekomme. Ganz einfach! Ich nahm ein Gehäusedeckel der Canon, spannte diesen in die Drehbank und bohrte eine Grundöffnung auf, damit das Sekorbajonett hindurch passte. Auf der Rückseite legte ich ein Sprengring des Durchmesser als Sperre gegen und das Objektiv sitzt fest. Den Deckel mit Objektiv kann man schnell an die Kamera ansetzen... und fotografieren! Allerding musste ich am Objektiv die Springblende festmachen, Arbeitsblende also...

Ich wusste natürlich, dass die Mamiyalinsen erste Sahne sind und so ist es auch. Offen schon gut, ist es bei 5,6 traumhaft. So an die Canon angesetzt, bringt es vor allem eine sehr schöne selektive Schärfe, was für viele Motive bedeutsam sein könnte. Die Linse ist gut korrigiert und das Bildfeld sichtbar eben. Alte Linsen haben damit ja ihre Probleme, allerdings auch hier: Ich mag diese Abbildungsfehler sehr gerne!

Mamiya baute eine Zeit lang Kleinbildkameras und dazu sehr gute Linsen. Das 50er hier, ist besonders gut gelungen, finde es fast besser als das originale EF von Canon. Vor allem die Kantenschärfe ist enorm, wenn es abgeblendet wird. Offen ist es nicht weich, mehr sanft würde ich sagen. Auch die Farbübertragung stimmt, wo doch alte Linsen irgendwie wärmer abbilden, was auch sehr praktisch ist.

Für 19 Euro ein regelrechtes Schnäppchen!
Uwe Reinwardt