Bildbearbeitung

Der Gasmaskenmann...


kam mir 1996 wirklich hoch zu Drahtesel entgegen, als ich gerade mit der Kamera die Arbeiten der Ernte von Hopfen auf der kleinen Anlage des Volksgutes Stockhausen fotografieren wollte. Im Pressedienst also, so gut wie unmöglich ein junger Mann auf dem Fahrrad kam, mit aufgesetzter Gasmaske.

Komisch dachte ich, was will der damit und dazu noch auf dem Rade? Schlechte Luft? Oder Show? Letztere vielleicht, riss die Kamera rum und fotografiert meinen Gasmaskenmann, natürlich in Schwarz-Weiß, wie damals noch üblich. Diese Bilder verwirrten, als ich sie meinem Chef vorlegte. Hast du die gestellt? Nein, absolut nicht! Der kam mir so entgegen. Ich glaub bis heute, dass mein damaliger Redaktionsleiter dies mir nicht abgenommen hat. Er brachte das Bild am nächsten Tag als Kuriosum, ein hochformatiges Bild auf Seite 9, worauf Leserbriefe folgten...

Klar, nix lag in der Luft, schon gar nicht Gas. Aber der junge Mann hatte seine Lust daran, so schrill durch eine kleine Kreisstadt zu fahren. Was wollte er uns damit sagen? Ich weiß es nicht... Dafür aber hatte ich ein Motiv, was ich im Labor ausschmücken konnte, auf Farbpapier, unter einer Glasplatte. Damals kannte keiner Photoshop und ich hätte nie ahnen können, dass es eines Tages mal so etwas wie eine Bildmanipulations-Software geben könnte. Ich manipulierte damals in der Entwicklerschale, unter Glasplatten, einfach so, ohne Absichten zu haben. Dieses Motiv aber zeigte sofort Begeisterung bei denen, die schon immer schräge Bilder sammeln wollten. Ich verkaufte für gutes Geld und hatte aber, Gott sei Dank, noch eine digitale Kopie anfertigen können, damals mit einem Agfa Duo-Scan, hochentwickelte Technik auf digitaler Basis...

Nur kurze Zeit später begann die digitale Fotografie und ich begann mit Photshop 3.0. zu arbeiten. Ein Novum damals, wo doch die meisten Fotografen sich mit Händen und Füßen gegen die neue elektronische Fotografie wehrten.

Heute ist es so, dass ich digitale Bilder kaum nachbearbeite, sondern bereits bei der Aufnahme so wirkmächtig halte, wie sie durch Brennweiten und Belichtungen auf Chip zu haben sind. Bilder zu verfremden, sie aufzuhübschen lag mir schon immer fern. Denn Effekte zählen nicht in der Fotografie, sondern Perspektiven. Und wer will die schon digital entwickeln?